Frau Eff und die Erreichbarkeit

http://www.btdirekt.de/themen-fuer-berufsbetreuer/kolumne/739-frau-eff-und-die-erreichbarkeit
Frau Eff, Berufs­be­treuerin… und die Erreich­bar­keit

Als ich letz­tens eine Kollegin anrief, um mit ihr über einen Fall zu spre­chen, mussten wir unseren Austausch beenden, weil bei ihr ständig das Handy dazwi­schen bimmelte. Vor einem Jahr hatte sie ange­fangen, ausge­wählten Einrich­tungen, Ämtern und Klienten ihre mobile Tele­fon­nummer zu geben, und inzwi­schen ist der Damm gebro­chen. Wer sie nicht im Büro erreicht, versucht es sofort auf dem Handy. Das bedeutet, dass sie kaum noch Ruhe hat, weil häufig zwei Tele­fone klingen.

Das beob­achte ich mit Erstaunen bei vielen Kollegen und Kolle­ginnen: Egal ob sie an einem Hilfe­plan­ge­spräch teil­nehmen, in der Klinik an einer OP-Aufklä­rung teil­nehmen oder bei einem Klienten einen Haus­be­such machen, häufig haben sie das Handy am Ohr und reden, reden, reden. Reflexartig wird jedes Gespräch entgegen genommen und die stän­dige Erreich­bar­keit als Grund­vor­aus­set­zung für den Betreu­er­beruf vehe­ment vertei­digt. Einige haben wenigs­tens ein dienst­li­ches und ein privates Mobil­te­lefon, andere unter­scheiden da gar nicht und werden dann natür­lich auch um elf Uhr abends in der Kneipe und beim Wandern in der Eifel um ihr Privat­leben gebracht. Wieder andere finden die sofor­tige Erreich­bar­keit so wichtig, dass sie 15 bis 20 Betreu­ungs­fälle mehr annehmen, um jemanden einstellen und bezahlen zu können, der ans Telefon geht, wenn sie nicht im Büro sind.
Mein Verdacht ist auch ein biss­chen, dass es Kollegen gibt, die gar kein Privat­leben haben und sich ihre eigene Wich­tig­keit mit dem perma­nenten Handy­ge­bimmel einreden wollen.

„In der Frei­zeit sollte Funk­stille herr­schen“, forderte Arbeits­mi­nis­terin von der Leyen kürz­lich und mahnte die Arbeit­geber, ihre Ange­stellten vor stän­diger Erreich­bar­keit zu schützen. „Kollegen, hört genau hin“, habe ich da gerufen „es geht auch um euch, ihr könntet euch selbst schützen.“

Frau Eff nutzt gar kein Mobil­te­lefon, auch nicht privat. Opa Franz hat immer gesagt „Nur Dienst­boten sind immer erreich­bar“, das habe ich mir hinter die Ohren geschrieben. Und wissen Sie was? Das klappt wunderbar. Tele­fo­nisch erreichbar bin ich, wenn ich in meinem Büro bin. Das Telefon hat einen Anruf­be­ant­worter mit dem Text:
„Sie haben die Nummer von Frau Eff gewählt. Meine Büro­zeiten sind Montag bis Donnerstag von 8 bis 17:00 Uhr und Freitag von 8 bis 13 Uhr. Wegen Außen­ter­minen bin ich nicht immer direkt erreichbar. Wenn Sie mir ihren Namen, ihre Tele­fon­nummer und den Grund ihres Anrufs hinter­lassen, rufe ich sie gerne zurück. Vielen Dank.“
Wenn es irgendwie geht, rufe ich immer noch am glei­chen Tag zurück, aller­dings möglichst nicht außer­halb meiner Büro­zeiten oder am Wochen­ende, selbst wenn ich den Anruf­be­ant­worter ausnahms­weise mal nach Feier­abend abhöre. Damit kommen alle gut zurecht, weil ich vermit­teln kann, dass gesetz­liche Betreuer keine Feuer­wehr­funk­tion haben, weder die Tele­fon­seel­sorge noch die fahrende Spar­kasse sind, bei der man schnell mal 50 Euro bestellt, und auch nicht für Bereit­schafts­dienst rund um die Uhr bezahlt werden.

Aber was ist denn mit den Betreuten oder Ange­hö­rigen, die erst um 17 Uhr von ihrer Arbeit kommen oder mit medi­zi­ni­schen Notfällen oder wenn sich mal einer ausge­sperrt hat, fragen die immer erreich­baren Kollegen. Wer tags­über arbeiten muss, hat auch eine Mittags­pause und kann mich dann anrufen. Eine Nach­richt auf meinem Anruf­be­ant­worter kann man jeder­zeit hinter­lassen. Medi­zi­ni­sche Notfälle sind im Betreu­ungs­recht nicht rele­vant, weil dann sowieso nicht der Betreuer handeln muss, sondern der Arzt (und wenn er das nicht tut, weil er lieber auf meine Unter­schrift wartet, dann drohe ich ihm mit einer Klage wegen unter­las­sener Hilfe­leis­tung). Und wenn sich einer ausge­sperrt hat, dann habe ich auch keinen Ersatz­schlüssel. Dann muss er oder sie halt mal bei den Nach­barn unter­kommen oder sich selbst etwas einfallen lassen.

Als Betreuer muss ich mich bereits auf so viele Facetten und Tiefen im Leben meiner Klienten einlassen, dass kann und will ich nicht auch noch zeit­lich unbe­grenzt ausdehnen. Abends und am Wochen­ende und auch im Urlaub sind andere zuständig. Und wenn es mal keinen Zustän­digen gibt, aber trotzdem ein dickes Problem… Tja, so ist das Leben: Unbe­re­chenbar, unfair, mit Zustän­dig­keits­lücken.
Berufs­be­treuer, Betreuung, BVfB, BdB